Kommunikation in sozialen Medien -Ein Versuch es zu verstehen

smBlogParade

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, nehme ich an eine Blogparade mit zum Thema „BDSM auf Social Media“ teil. Ich freue mich sehr, dazu eingeladen worden zu sein, denn mein Blog ist an sich gesehen kaum vorhanden. Als ich dann gefragt wurde, ob ich mitmache, habe ich nicht sehr lange gezögert. Denn damit war ich gezwungen einen Text nicht nur zu schreiben, sondern dieses Mal auch zu veröffentlichen. 

Hier ein kleiner Nachtrag: Sophies Blogeintrag umfasst dasselbe Thema wie ich. Ich erkenne viele Gedanken, die ich mir gemacht habe. Ich habe dennoch beschlossen mein Thema zu behalten, da es zwar dasselbe Thema ist, aber doch ganz anders. Ich hoffe also, dass euch nicht langweilig wird.

Ich kann mich an den Moment erinnern, als ich lernte was Distanzzonen sind. Distanzzonen sind Zonen die beschreiben, wie nah eine Person sein darf, damit man sich nicht unbehaglich fühlt. Wer diese Grenzen überschreitet, löst Stress aus und wirkt unangenehm und bedrohlich. Jedenfalls war ich in einem Museum und sah mir Kreise auf dem Boden an. Und er da wurde mir tatsächlich klar, wie viel Abstand man anderen Menschen einräumen sollte.

  • Der erste Kreis zeigte die soziale Zone an. Die reicht von 1,20 bis 3,60 Meter. Das ist die Distanz, die man zu Fremden einhält.
  • Der zweite Kreis zeigt die persönliche Zone an. Diese wird auch Privatsphäre genannt und ist Bekannten und Kollegen vorbehalten. Diese dürfen dann zwischen 0,60 und 1,00 Meter an uns heranrücken.
  • Der letzte Kreis ist die intime Zone und wird auch Intimsphäre genannt. Diese ist nur den engsten Freunden, der Familie und Partner vorbehalten und beträgt 0,60 Meter oder weniger.

Werden diese Zonen überschritten, hinterlässt man einen schlechten Eindruck und wirkt unsympathisch. Egal, was dieser beabsichtigt, er kommt einfach nicht weiter, weil man selbst nur gestresst ist. Und sich dadurch nicht auf den Gegenüber konzentrieren kann. Jeder kennt doch diese eine Person, die einem zu nah kommt. Man selbst macht immer wieder ein paar Schritte nach hinten, aber die Person kommt einem dennoch näher. Ich habe mal erlebt, dass ein Fremder mich mal am Arm gepackt hat, um mir etwas zu erzählen. In dem Moment wollte ich ihn einfach nur schlagen.

So viel zum realen Leben.

Aber wie ist auf Twitter und anderen sozialen Medien?

Ich glaube, dass es hier keine allgemein gültigen Regeln gibt, aber ich denke schon, dass es einige Verhaltensweisen gibt, die nur in der Privat- und Intimsphäre akzeptabel sind und die ungefähr jeder gleich empfindet. Und dennoch gibt es einige Parallelen. Wer mir zu nah kommt, wirkt direkt unsympathisch und egal wie nett oder unschuldig es gemeint war, es ist einfach zu viel.

Ich habe mir mal also Gedanken gemacht und überlegt, wie ich diese Distanzzonen übertragen würde:

Für mich sind in der ersten Zone (Soziale Zone) alle Menschen, mit denen ich noch nie oder selten gesprochen habe. Da fühle ich mich persönlich direkt unwohl, wenn gewisse Smileys benutzt werden, oder wenn die Diskussion sofort eine sexuelle Komponente hat. Sex ist etwas Persönliches, und es fühlt sich für mich einfach sehr unangenehm an, darüber mit Menschen zu reden. Auch das Verschicken von Geschichten, Fotos oder sonstige Fantasien ist hier einfach fehl am Platz.

Dann die persönliche Zone. Das sind Menschen, mit denen ich privat oder öffentlich schon geschrieben habe. Wir wissen, dass wir uns mögen, haben aber keine sehr enge Bindung zueinander. Hier kann ich die meisten Emojis akzeptieren und mag auch Gespräche über Sex, wenn es nicht persönlich wird. Sagt mir da aber jemand aus dem nichts heraus, dass er mich lecken will oder sonstige Fantasien ausleben will, empfinde ich auch hier Unbehagen.

Und nun zur intime Zone. Das sind Menschen, mit denen ich schon viel geschrieben habe, wir kennen uns, und wir haben uns über einige private Informationen ausgetauscht. In diesen Fällen kann die Person fast alles schreiben und fragen, und ich empfinde es nicht als unangenehm.

Das Problem ist, dass viele sehen, wie ich auch sehr herzlich kommuniziere (Twitter ist ja sehr öffentlich) und denken, dass das für mich ein normaler Umgangston ist. Allerdings ist das der Ton, den ich mit Menschen habe, die ich sehr gut kenne und die mich gut kennen. Daher vergreifen sie sich sehr schnell im Ton. Wenn ich diese Personen anspreche, verteidigen oder entschuldigen sie sich. Aber selbst wenn: diese Person ist mir zu nah gekommen. Und an manchen Tagen fühlt es sich so an, als würde ich überrannt werden. Ein komisches Gefühl, wenn man bedenkt, dass alles online stattfindet und ich die Personen nicht sehen kann.

Übrigens denken ich, dass es hier keinen Unterschied ausmacht, ob man nach einer „normalen“ oder nach einer BDSM Beziehung sucht. Man kann nicht einfach Etappen überspringen und der Person zu nah kommen. Das Privileg in der intimen Zone zu sein, muss man sich erarbeiten.

Ich persönlich empfinde Twitter als tolle Möglichkeit sich über BDSM auszutauschen. Meine ersten Erfahrungen habe ich im echten Leben gemacht. Und zum Glück, waren es auch gute Erfahrungen. Ich habe in den allermeisten Fällen eine gute Menschenkenntnis und diese hat mich auch schon vor Treffen mit Menschen bewahrt, von denen ich im Nachhinein Negatives gehört habe. 

Und dennoch: erst auf Twitter habe ich die Menschen kennengelernt, die ich gebraucht habe um zu reifen und die Frau zu werden die ich bin. Um zu verstehen, dass meine Fantasien und Wünsche nicht abnormal sind. Um eine Bubble zu finden, in der ich mich so wohl fühle.


SMBlogparade reloaded
Thema: Kommunikation & Soziale Netzwerke
wie immer wird es eine gute Mischung sein aus tollen, heißen Geschichten und informativen Sachtexten.

Die Links zu den teilnehmenden Blogs:
Margaux Navara – 19.11
Training of  O – 22.11
Tanja Russ – 26.11
 Dark Paige – 29.11
Sofies geheime Welt – 03.12
Leyla Femme – 06. 12
Whispered Stories – 10. 12
Madame X – 13. 12
Tomasz Bordemé – 17. 12
Die Gespielin – 20. 12
Less Dressed Stories – 23.12

1 Gedanke zu „Kommunikation in sozialen Medien -Ein Versuch es zu verstehen

  1. Ich finde es gut ,liebe Leyla das du über deine Erfahrung und dein Wissen schreibst und berichtest.Dies trägt zur Aufklärung bei bzw.bestätigt es die Erfahrung anderer.Danke,der eine oder andere kann daraus etwas lernen oder für sich mitnehmen.

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